Erinnerungen für meine Nachwelt

Ich muss es niederschreiben hier.

Wer weiß wieviel Zeit noch bleibt mir.

Ich möchte es nicht ungelöst lassen und

mitnehmen in die Ewigkeit,

wie es du lieber Adi getan hast.

Nicht in böser Absicht.

Konntest ja nicht wissen, dass es

wird zu so einer Last,

die dich wahrscheinlich selbst belastet hat,

wohl bis zu deinem Tod, dem du

zehn lange Tage entgegen liefst.

Alleine, ohne jegliche Verbindung zu uns.

Das war eine unbeschreibliche Not.

Ich möchte klar stellen, so lange die Zeit mir bleibt:

Ehe wir beide verheiratet waren, erhielt ich Kostgeld

und hatte keinerlei Einblick in deine Finanzen.

Ich hielt es für in Ordnung, aber dann war ich

furchtbar entsetzt, als dein bester Freund mit beinahe

kindlicher Freude deine Bankeinzüge aus deinem 

Schreibtisch durch die Firma

laufen ließ.

Mich nicht davon in Kenntnis setzte.

Was er sich dabei dachte? (als bester Freund und natürlich die große "Chefin", die die männlichen Kollegen

gut im Griff hatte. Sie war alleinstehend, mehr will ich gar nicht schreiben, denn eigentlich haben es ohnehin

alle in der Firma gewusst, alle, doch man fand es als normal. )

Ich stellte dich dann  vor die Wahl und wohnte in der Zeit bei meinem großen Bruder für einige Zeit.

Nachhause wolltest du nicht. Für mich warst du aber die große Liebe bereits

und ich wollte dir diese Zeit einräumen.(ich danke dir für jeden Tag, den du bei mir warst, auch wenn es manchmal

wirklich schwer war, hart)

Du solltest nicht noch mehr Jahre deines Lebens versäumen. (wie du es eigentlich auch deinem besten

Freund anvertrautest, doch der hatte mit sich selbst zu tun, wie es sich später erwies und seine Frau verließ.)

Sie löste die Freundschaft mit mir auf, denn sie ging davon aus

da Adi der beste "Freund" sei, wüsste er davon.

Ich kannte mich überhaupt nicht aus bei dem Gespräch am Telefon.

Ich war ja die aller letzte, die davon erfuhr.

Das nannte man wohl "Freundschaft pur".

Jedenfalls könnte die Bank das jederzeit beweisen,

wann ich zeichnungsberechtigt wurde,

nach deiner Reha Zeit (vom Schlaganfall).

Ich heiratete dich (obwohl ich niemals wieder heiraten wollte,

aber ich liebte dich ja vom ganzen Herzen).

Als Lebensgefährtin ließ mich der griechische Oberarzt

im Krankenhaus an keiner Visite teilnehmen.

Doch du kämpftest dich zurück,

wenn auch vieles beeinträchtigt war und Teil deiner Erinnerungen

an die Zeit davor ausgelöscht, sprachst danach wie ein Ausländer,

der Deutsch lernt.

Dein bester Freund (Gott habe ihn selig) rief mich an und wollte wissen,

warum du Schulden hattest, als wenn ihm das etwas anginge.

Die ganze  Firma informierte er - Freundschaft?

Als ich dich nach der langen Reha-Zeit heiratete (im engsten Kreis) rief ich deinen Sohn an.

Ich wollte ihn mit seiner damaligen Freundin einladen,

aber die Absage war hart.

Du solltest es mir erklären (so meinte er), aber

der Schlaganfall löschte vieles aus (Sprache natürlich auch) und deine Therapeutin meinte,

ich solle es unbedingt lassen, sonst würdest du wieder einen Schlaganfall erleiden

und legte mir ans Herz, jeden noch so kleinen Stress unbedingt zu vermeiden.

Gott sei Dank war auch des "Freundes" Handlung ausgelöscht und

somit hat sich für mich vieles nicht aufgelöst.

Die Bankauszüge aus deinem Schreibtisch nie gesehen,

Egal. Es ist so ewig her und macht nichts ungeschehen.

Wie mies man dich dann  beim Firmenbesuch behandelte,

man über dich sprach wie in dritter Person (trotz deiner Anwesenheit).

Welch´ eine Schmach, was für ein

unverschämter Ton/Hohn.

Die Firma, die dir über alles stand,

sie gaben dir nicht einmal die Hand.

Die Angst schlich sich ein, dass die Aufregung bzw. Kränkung

dir nimmt die Kraft.

Tatsächlich erlittest du aber erst drei Jahre später einen Herzinfarkt.

Der Internist sorgte dafür, dass du so rasch als möglich nach Linz überführt wirst,

denn du hättest es vermutlich nicht überlebt. 

Er unterstütze uns sehr.

Kam zu der Erkenntnis, dass es sich um eine Erbkrankheit handeln muss,

aber ich wusste darüber nicht mehr.

Ich wurde ja einfach unsichtbar gemacht.

Niemals, niemals hätte ich das gedacht. (mir fällt nur Livius ein)

Du hast es mit Geduld getragen.

Warum Stille zwischen Euch zwei war, konnte ich nie mehr erfragen.

Es tat sehr weh, aber ich war dankbar, dass du gekämpft hast

und die vier Bypässe gut verkraftet hast.

Waren sie zu Beginn eine Last,

du hast es trotzdem geschafft.

Doch dann schlich sich Parkinson ein.

Du bekamst einen Rollstuhl.

Damit wolltest du nicht gesehen werden.

Etliche Jahre verließest du die Wohnung nicht mehr.

Thomas und ich waren stets an der Seite dein.

Du batest Thomas, seinen Job zu kündigen, 

um für ihn da zu sein,

da meine MS rebellierte und Schübe über Schübe

stellten sich ein. 

Wir versuchten Thomas bei uns als Hilfe anzumelden

und kontaktierten das Sozialministerium.

Er brauchte ja eine Krankenversicherung.

Das klappte, indem er mit mir mitversichert wurde.

Ein Anwalt beim VKI sorgte sogar dafür, dass es

im Gesetz verankert wurde, dass alle "Stiefkinder" von Pflegekarenz

Gebrauch machen dürfen, aber bis zur Nationalratssitzung dauerte es zu lang.

Also meldete sich Thomas ab und bei mir an und erhielt kein Geld fortan.

Im Juni 2018 bekam Thomas eine kleine Wohnung

nur über die Wiese uns gegenüber.

Das beruhigte dich sehr.

Du hattest stets große Angst vor einem Pflegeheim.

Thomas versorgte uns beide, du brauchtest ihn ganz oft bei Nacht,

Eigentlich musste er immer abrufbar sein,

also zog er nicht in seine Wohnung ein.

Dann kam der Sturz im Wohnzimmer und die Angst lag spürbar in der Luft.

Du verlangtest, ich solle die Rettung rufen.

Ich durfte dich nicht besuchen. (zehn lange Tage)

Da gabst du auf.

Ich spürte es, denn die Nacht vor der Krankenhauseinlieferung wolltest du Weihnachtlieder

von mir hören (obwohl es schon Jänner war).

Ich sang, mein Herz weinte dabei

und ich mag seither kein Weihnachten mehr.

Gar vieles hätte man sich ersparen können,

hätte nur einer von euch sich mir anvertraut,

anstatt eine unüberwindbare Mauer gebaut.

W A R U M ?

 

Den bösen Brief habe ich der Therapeutin lesen lassen.

Das belastete mich extrem, doch du solltest ihn nicht sehn.

Sie meinte, irgendwann wirst du wieder lesen können

und ihn finden.

Das wäre zu riskant gewesen.

So haben wir ihn gemeinsam zerrissen. 

 

So steht es geschrieben hier.

Für mich.

Ich will es nicht in die Ewigkeit mitnehmen schier.

Ich hoffe, noch mehr hier posten zu können.

Unsere Anekdoten  - die will ich mir gönnen.

 

Danke liebe Freundin für die Niederschrift. War sicher  nicht einfach, denn meine Handschrift kann ich manchmal selbst nicht mehr entziffern und ich schreibe ja stets in den schlaflosen Nächten. Ich kann zur Zeit nicht tippen. Das Laptop ist alt, ich auch und früher hatte ich einen PC mit Tastatur und vieles war einfacher. Da diese Homepage ein Geschenk liebenswerter Menschen ist, werde ich sie jetzt für einige Erinnerungen nützen. Für meine Nachwelt.